In Limbo (2006)

D 2006, 28:11 min, Doku/ Fiktion, DV (Beta SP), deutsch (engl. und frz. Untertitel). Drei junge Frauen werden 30. Seit über zehn Jahren verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt als Kellnerinnen in Bars und Cafés. Nun sind sie im Café ‚Viva’ gelandet. „Du musst was Ordentliches machen!“ sagen die Leute. Aber was anfangen, wenn man nichts Ordentliches zu tun weiss?

„[…] Geschickt mixt Friederike Rückert die Ebenen von Realität und Traum, der nur im Film zu einem solchen werden kann, in der Realität wohl nicht mehr, und ihr gelingt dabei mehr als eine Dokumentation über drei Frauen mit ungewissen Perspektiven. Über die Inszenierung von Träumen im Film hat Rückert jüngst als Filmwissenschaftlerin gearbeitet, hier liefert sie dazu sozusagen das realisierte Gesellinnenstück. Die Pferde traben durch die Szenen wie andalusische Hunde auf Filmfutter-, also Zitat-, also Traumsuche. Und wenn wir aufwachen? Dann erst dürfen wir wie die drei Damen vom Tresen weiter träumen, was keinesfalls schon ausgeträumt ist – der hier angeträumte Traum von einer neuen Art des filmischen Dokumentierens.“ (Jörg Meyer)

„[…] Was „In Limbo“ dem Zuschauer zeigt, kann als prototypisches Scheitern vieler junger Leute von heute gelesen werden, die es nicht vermögen, ihre Träume und Sehnsüchte von einem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen. eine verlorene Generation, die sich selbst zwischen Anpassung an gesellschaftliche Zwänge und Pflichten einerseits und ihren eigenen Ansprüchen auf ein individuelles Glück andererseits verortet, die zwischen ihrer Traumwelt und der bitteren Alltagsrealität aufgerieben wird. Die Regisseurin findet immer die passenden Bilder für ihre Message, ob die Zugvögel und See-Möwen, die für die absolute Freiheitsidee stehen oder die Friedrichschen Schneelandschaften, in denen sich die utopischen Wunschenergien der jungen Frauen entladen können – oder die Zapfhähne und überschäumenden Biergläser, die für die nüchterne Banalität des Kellner-Alltags stehen. „In Limbo“ ist ein Film, der von persönlichem Scheitern erzählt – und doch schwingt in jedem Bild das Blochsche Motto „Es könnte ganz anders sein“ mit – selbst noch am Zapfhahn in der Bierkneipe, in die wir gehen, ohne uns je über die seelische Befindlichkeit derer zu interessieren, die uns dort allabendlich bedienen.“ (Gottlieb Florschütz)

Literatur: Ruth Bender: Drei Frauen und der Ernst des Lebens. Realität und Fiktion in Friederike Rückerts Dokufiktion „In Limbo“, in: Kieler Nachrichten, 3. November 2006, S. 17. – Jörg Meyer: Umgeträumte Träume, in: Infomedia Schleswig-Holstein (04/2006), Link – Daniel Krönke: In der Schwebe. Interview mit Friederike Rückert zu ihrem Film „In Limbo“, Infomedia Schleswig-Holstein (03/2005), Link